Rückblick
29. Unter- und Oberfränkischer Spargeltag

Weißer und grüner Spargel

Am Mittwoch, 29. Januar 2020, fand im Gasthof "Löwenhof" in Rödelsee der 29. Unter- und Oberfränkische Spargeltag statt.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen und der Spargelerzeugerverband Franken luden alle Spargelanbauer und Interessenten zu brandaktuellen Themen rund um den Spargelanbau ein.

Programm

Programm

  • 8:30 Uhr Besuch der Ausstellung von Fachfirmen
  • 9:30 Uhr Begrüßung
    AELF Kitzingen
  • 09:45 Uhr Aktuelles zum Spargel
    Christine Müller, AELF Kitzingen
  • 10:15 Uhr Aktuelles zur DüngeVO und Möglichkeiten des Komposteinsatzes bei Neuanlagen
    Dr. Carmen Feller, IGZ, Leibnitz Institut, Großbeeren
  • 10:45 Uhr Zwischenreihenbegrünung
    Carsten Wenke, Landwirtschaftskammer NRW, Münster-Wolkbeck
  • 11:15 Uhr Neues zur Spargelerntetechnik
    Thérèse van Vinken, Cerescon B.V., Heeze, NL
  • 12:00 Uhr Mittagspause
  • 13:30 Uhr Versuchsergebnisse zur Ernteverfrühung bei Grünspargel
    Dr. Sebastian Weinheimer DLR Rheinpfalz, Schifferstadt
  • 14:00 Uhr Kunststoffrecycling in der Landwirtschaft
    Thomas Neck, Rigk GmbH, Wiesbaden
  • 14:30 Uhr Saisonarbeitskräfte 2020
    Michaela Schaumberger, Spargel-Erzeugerverband Franken, München
  • 15:00 Uhr Förderung im Gartenbau
    Martin Bach, AELF Kitzingen
  • 15:30 Uhr Ende

Rückblick

Aktuelle Themen für die regionalen Spargelanbauer präsentiert

Auch 2020 traf der jährliche Spargeltag, den das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen veranstaltet, wieder auf reges Interesse. 90 Teilnehmer informierten sich am 29. Januar 2020 in Rödelsee in Vorträgen und an den Ständen von 16 Ausstellern.
Die Referenten gingen auf die vielfältigen Anforderungen an die Spargelerzeugung, wie die Änderungen der Düngeverordnung, Zwischenreihenbegrünung im Spargel oder Verfrühung bei Grünspargel ein. Damit bester Spargel am Schluss auch auf die Teller kommt, braucht es vor allem Erntehelfer bzw. neue Erntetechniken. Auch dazu wurden aktuelle Entwicklungen vorgestellt.
Spargel ist mit über 4000 Hektar Anbaufläche eine der Hauptkulturen im bayerischen Gemüsebau.
Um vor allem den heimischen Markt mit besten Produkten bedienen zu können, braucht es neue Ansätze im Bereich der Sortenwahl und der Produktion.
Spargelanbau und Versuchswesen in der Abteilung Gartenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen
Christine Müller, zuständig für den Gemüsebau in der Abteilung Gartenbau am AELF Kitzingen, sprach zunächst über die aktuelle Zulassungssituation im Pflanzen­gesundheitsbereich: "Für die Bekämpfung von Schadinsekten und Pilzkrankheiten fallen 2020 gleich mehrere Zulassungen weg. Noch gibt es keine vergleichbaren Alternativen für den Spargelanbau." Neue Wirkstoffe hätten oft noch keine Zulassung in Sonderkulturen.
Weil grüner Spargel gerade in Bayern beliebt ist, werden Grünspargelsorten in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim und engagierten Praxisbetrieben hinsichtlich Ertrag und Qualität getestet. Christine Müller stellte dazu erste Ergebnisse hinsichtlich Wuchsleistung und Gesamteindruck vor.
Grünspargel – Versuche zur Verfrühung
Grünen Spargel noch früher anbieten zu können – mit dieser Herausforderung beschäftigt sich Dr. Sebastian Weinheimer vom DLR Rheinlandpfalz in Schifferstadt. Vier Jahre nach Anlage des Versuchs liegen zweijährige Ergebnisse vor.
  • Grünspargel lässt sich je nach Witterungsverlauf durch Überspannen mit Folien um einige Tage verfrühen.
  • Die Art der Abdeckung hat dabei Einfluss auf den Anteil der Früherträge am Gesamtertrag.
"Wünschenswert ist eine mögliche Mengensteuerung, um auf die aktuelle Marktsituation reagieren zu können", sagte Dr. Weinheimer. Er ist zuversichtlich, mit dem Versuch in den nächsten Jahren noch konkretere Aussagen machen zu können.
Neue Düngeverordnung und Phosphat-Bedarf in Spargel-Neuanlagen
Ab April 2020 wird eine neue Düngeverordnung gelten, die aktuell noch bearbeitet wird. "Das macht es schwierig, Ihnen heute eindeutige Empfehlungen zu geben", betonte Dr. Carmen Feller vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau IGZ in Großbeeren. Durch die Gebietskulisse mit grünen, roten und weißen Gebieten wird es vor allem für Anbauer in den roten Gebieten komplizierter: Der gesamtbetrieblich ermittelte Bedarf an Stickstoff muss hier um 20% gekürzt werden – eine Herausforderung für den Anbau, wenn rentable Erträge in guten Qualitäten erzielt werden sollen.
Für den Spargelanbau besonders belastend ist die Begrenzung der Zufuhr von Phosphor in Neuanlagen durch Kompost. Ohne Ernte gibt es in den ersten Standjahren keine Abfuhr von Phosphat, so dass in Böden mit guter Phosphatversorgung keine Möglichkeit zur Kompost-Einarbeitung besteht. Diese Problematik versuchen einzelne Bundesländer in Form von Länderregelungen anzugehen,so Carmen Feller, indem die Phosphoreinlagerung in den Rhizomen von Dauerkulturen wie Spargel berücksichtigt werden könnten.
Vollautomatische Spargelernte
In Zeiten von Saisonarbeitskräftemangel, Mindestlohn und teilweise niedrigen Marktpreisen kann die Technik in Form von Vollerntern eine Lösung sein. Thérèse van Vinken von der Fa. Cerescon B.V. (NL) stellte den einreihig arbeitenden Sparter vor: Erfassung der Spargelstangen in einer Tiefe bis zu 10 cm, vollautomatisches Stechen und Transport der Stangen, Schließen der Beete und Folien – in Zukunft vielleicht sogar als Selbstfahrer. Was wie Science Fiction klingt, findet als Prototyp bereits Anwendung. Voraussetzung dafür ist mindestens ein 3G-Netz. Digitalisierung und Netzausbau hängen also voneinander ab.

Video "Selektiver Spargelernter bei der Ernte" - YouTube Externer Link

Zwischenreihenbegrünung im Spargel
Eine Möglichkeit, um Spargelfelder nicht nur optische aufzuwerten, bieten Ansaaten zwischen den Spargelreihen. Carsten Wenke, Landwirtschaftskammer NRW stellt verschiedene Mischungen vor. Eine Kombination aus zweijährigem Weidelgras mit Rotklee sei vorteilhaft. Sie könne von Juli- August ausgesät werden, so Wenke. Neben Nektar und Pollen für Bestäuber bietet die Zwischenreihenbegrünung zusätzlichen Erosionsschutz und bringt als einjährige Mischung Biomasse in den Boden.
Kunststoffrecycling in der Landwirtschaft
In Deutschland fallen jährlich 70.000 Tonnen Agrarfolien zum Beispiel aus Silage-Abdeckung, Spargelanbau oder Folienhäusern an.
Thomas Neck (Fa. Rigk GmbH, Wiesbaden) stellte die "Initiative ERDE" (Erntekunststoffe Recycling Deutschland) vor: Durch mobile Sammlungen und feste Abgabestellen sollen möglichst viele Erntekunststoffe dem Wertstoffkreislauf als Granulat zurückgeführt werden. Ein Sammelsystem für Pflanzenschutzmittel-Verpackungen (PAMIRA) existiert bereits und weist Recyclingquoten von über 90% auf. Im Bereich Hagelschutznetze und Spargelfolien laufen Pilotprojekte. "Für eine echte Kreislaufwirtschaft im Bereich der Agrarfolien braucht es aber die Beteiligung der Hersteller und Händler. Erste Folienhersteller haben sich der 'Initiative ERDE' bereits angeschlossen", erklärte Thomas Neck. Er wies darauf hin, dass die Recyclingfähigkeit vom Verschmutzungsgrad mit Erde abhängt.
Saisonarbeitskräfte
Spargel anbauen allein reicht nicht, er muss auch zuverlässig geerntet werden. Saisonarbeitskräfte bleiben immer mehr aus, und das, obwohl der Mindestlohn kontinuierlich auf aktuell 9,35 € gestiegen ist. Michaela Schaumberger vom Spargel-Erzeugerverband Franken verwies in diesem Zusammenhang auf die Regelungen im Arbeitsschutzgesetz zu maximalen Wochenarbeitszeiten und Mindestruhezeiten. Besonderen Wert sollen Arbeitgeber auf die Prüfung der Sozialversicherungspflicht für geringfügig Beschäftigte legen.
Um Saisonarbeitskräfte anzuwerben, kooperiert der BBV Bayern mit der Bundesagentur für Arbeit, die über das EURES-Netzwerk mit Arbeitsagenturen im EU-Ausland zusammenarbeitet. Michaela Schaumberger ist zuversichtlich: "Auch außerhalb der EU laufen aktuell Verhandlungen – zum Beispiel mit Moldawien und Montenegro -, die vielversprechend sind."
Förderungen für bayerische Spargelbauer
Im Rahmen der Einzelbetrieblichen Förderung werden im Spargelanbau Vermarktungs- und Verarbeitungseinrichtungen gefördert. Welche Maßnahmen in welchem Umfang bezuschusst werden können, hängt vom Vorhaben selbst und weiteren Faktoren ab. "Eine Beratung durch die ÄELF mit Abteilung Gartenbau ist immer sinnvoll", so Martin Bach.
Das Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL) fördert den Bau von Wasserbevorratung einschließlich Pumpen, Witterungsschutzeinrichtungen sowie maschinelle Beikrautbekämpfung in Reihenkulturen. Wer digitale Hack- und Pflanzenschutztechnik einsetzen will, kann Förderung über das Programm BaySL-Digital beantragen.

Förderwegweiser - Staatsministerium Externer Link

Ansprechpartnerin

Christine Müller
AELF Kitzingen
Mainbernheimer Straße 103
97318 Kitzingen
Telefon: 09321 3009-1422
Mobil: 0173/8637490
Fax: 09321 3009-1011
E-Mail: poststelle@aelf-kt.bayern.de